Abenteuer Biwak Brumleytal 2009 (5. bis 6. September)

Verschlafen und etwas träge schaue ich auf den Wecker, schon ganz schön spät. Noch im Halbschlaf schlummernd, habe ich heftige Regenfälle draußen bemerkt. Da wäre ich gerne liegen geblieben. Aber heute ist Samstag der 5. September 2009, Abenteuer Biwak im Brumleytal! Bei diesem Wetter wird das ein Spaß!
Jetzt würde ich lieber einen gemütlichen Tag zu Hause in Hollage verbringen. Aber dann denke ich an Sonja, die fast alles um das Abenteuer Biwak organisiert hat und jetzt sicher schon vom Regen durchnässt im Brumleytal steht und versucht alleine eine überdimensional große Plane als Wetterschutz über das gesamte Brumleytal zu spannen.
Bis jetzt kein Anruf, dass alles abgeblasen wird: zu schlechtes Wetter, Dauerregen, die Felsen sind nass und über den steilen Waldweg zum Brumleytal schießt bereits ein reißender Bach zu Tal! Der Hof Hardebeck und unser Biwaktaxi sind bereits Opfer der Fluten geworden, der Katastrophenschutz ist schon im Einsatz… so wache ich in Gedanken langsam auf.

Schnell aus dem Bett, Hannah ist auch noch nicht auf. Ein Blick nach draußen. Schlechter könnte das Wetter nicht sein, aber die Hoffnung auf lokal begrenzte Schönwettergebiete stirbt zuletzt. Also anziehen, schnell frühstücken, alles zusammen packen, die Gitarre nicht vergessen und los geht’s.

A 30 Richtung Ibbenbüren. - Der Regen lässt etwas nach, überall am Himmel fette, graue Wolken, die nur darauf warten ihre nasse Last über uns auszugießen. Die Vorfreude aufs Biwak ist nicht besonders groß, aber wir können Sonja doch nicht im Stich lassen!

Als wir von Norden kommend über den „Teuto“ fahren, müssen wir staunen.
Nein, die Westfälische Bucht ist nicht überschwemmt, ein Opfer einer gewaltigen Überschwemmung geworden – im Gegenteil!
Auf der Südseite des Teutoburger Waldes ist es „heiter bis wolkig“ und am Parkplatz bei Hardebeck werden wir erst von der Sonne, dann von Helge und Torben empfangen. Die beiden müssen unbedingt noch Getränke organisieren.

Bei schönem Wetter laufen Hannah und ich schwer bepackt ins BT (unschöne Abkürzung für einen schönen Fleck Erde namens Brumleytal; wird im Folgenden nicht mehr verwendet). Für den Shuttleservice sind wir bereits zu spät, aber die paar Meter schaffen wir locker, nun auch schon mit deutlich besserer Laune.

Oben im Brumleytal treffen wir jede Menge bekannte, abenteuerlustige Biwakierer. Auch neue Leute sind dabei, sogar extra aus Hamburg gekommen. Sonja begrüßt uns freudig. Die meisten Zelte stehen bereits und die ersten kleinen und großen Kletterfreunde, sind bereits dabei sich an die trockenen Felsen zu machen.
Freiwillige sorgen für Brennholz, ein Kuchenbuffet ist bereits aufgebaut, Tische und Bänke werden zurechtgestellt. Perfekte Organisation.

Bei 13 Kindern und 12 Erwachsenen, fällt viel Gepäck an. Das meiste wurde mit dem hardbeck’schen „Biwaktaxi“ von Hans hinauf gefahren. Junge und ältere Rücken wurden geschont, einige junge Biwakierer hatten Spaß bei der Trecker-Rally durch den Wald.
Für echte Notfälle wurde ein Auto hochgefahren, glücklicherweise aber nicht gebraucht.

Während es also im Umland vielerorts aus allen Eimern regnete, war es im Brumleytal trocken und zwischendrin sogar mit Sonnenschein und zwischen 15-22 Grad angenehm warm.

Bei so überraschend guten Bedingungen, konnte dann auch geklettert werden was das Zeug hält. Alle Kids waren mit sehr viel Eifer dabei, sich an steilen und weniger stark geneigten Felspartien zu versuchen. So einige Kids und Teens, die in letzter Zeit nur selten Gelegenheit zum Klettern gefunden hatten, waren beim Biwak über sich selber und alle anderen überrascht. Wie gut sie noch klettern konnten! RESPEKT.

Schon am späten Nachmittag war Jürgen – wie erwartet -  wieder in seinem Element. Als unser Grill- und Lagerfeuermeister hatte er alles im Griff, was man nur in Punkto Grillen und Feuer im Griff haben kann. Unverzichtbarer „Grillmaster“ und Biwak-Urgestein!

Der Tisch verwandelte sich sehr schnell in eine tolle Tafel mit vielen Leckereien: Salate, Oliven, Tomaten, Brot, Wurst und Fleisch. Köstlich!. Da wir einige Vegetarier dabei hatten, gab es das Ganze auch in vegetarisch.

Um den Genuss noch zu vollenden, durfte das Stockbrot von Evelyn nicht fehlen. Eigentlich waren wir alle soooo satt, aber so’n Stockbrot geht immer. Auch, wenn es verbrannt mit schwarzer Kruste oder noch nicht ganz durch, etwas teigig gereicht wird. Hauptsache es bleibt am Stock, sonst ist es ja kein Stockbrot mehr.

Wundersame Glühwürmchen in der Nacht entpuppten sich als „Knicklichter“, die Sonja als besondere nächtliche Überraschung für alle großen und kleinen Biwakfreaks aus irgendeinem Sack gezaubert hatte.
An den dezent luminiszierenden Glanzlichtern hatten wir alle unseren Spaß. Tolle Atmosphäre! Die Nachtwanderung mit fast nur zwei Erwachsenen und allen Kindern war mit diesen wundersamen Irrlichtern ein besonderes Vergnügen.
Das schöne flackernde Licht des Lagerfeuers lockte mit seiner wohligen Wärme auch nach der nächtlichen Tour durch den Wald nur wenige an.
Denn schnell sprach sich herum, dass sich einige feine Lichter in die Felswände verlaufen hatten. Aber wie konnte das sein?
Und tatsächlich, einige wollten mal das Nachtklettern mit Knicklichtern und Stirnlampe ausprobieren, und alle waren sichtlich begeistert (das ganze natürlich nur im Toprope).
Nach ausgiebigem Nachtklettern kamen nun doch alle Kletterer gemütlich am Lagerfeuer zusammen.

Erstaunlicherweise waren wirklich alle, aber auch gnadenlos alle, um halb eins Nachts in Ihren Zelten verschwunden inklusive des Gitarristen. So früh war vorher noch kein Biwak-Abend zu Ende gegangen.
Und: Nachts von 3 Uhr bis 3.10 Uhr hat es das einzigste Mal an diesem Wochenende geregnet.

Morgens um 6 Uhr wurden dann einige von uns von den markanten Uhurufen geweckt, und da es doch recht frisch war, hat Jürgen das Lagerfeuer erst mal wieder auf Vordermann gebracht. Für Kaffee und Tee wurde gesorgt und mit den von Helmut organisierten Brötchen (was für ein Service) stand schnell ein perfektes Frühstück auf den Tischen.

Nachdem alle gestärkt waren, ging es wieder zum Klettern. Auch dieses Mal gab es wieder kleine Überraschungen gesponsert von Dirk Sundermann, die aber erklettert werden mussten. Alle haben es geschafft. Sonja wartete gesichert auf halber Höhe in der senkrechten Felswand, um kleine Präsente an die jungen Kletterer zu verteilen.
Wenn die Zeit nur nicht so schnell vergehen würde, denn ruck, zuck war Mittag und durch das Tal zog der Duft von frisch Gegrilltem.
Nach und nach bauten wir die Zelte wieder ab, denn unser „Biwaktaxi“ fuhr pünktlich um 14 Uhr wieder die steile Rampe zum Hof Hardebeck hinunter.

Ein besonderer Dank gilt unserem pünktlichen Chauffeur und - na klar - auch allen Anderen, die zu dem guten Gelingen dieses Wochenendes beigetragen haben. Es hat uns auch sehr gefreut, dass wir Gäste aus Hamburg dabei hatten.


Sonja und Rudi